KULTUR IN TIEFURT
Ein Dorf legt sich ins Zeug

Das Tiefurter Kindertheater

Die ersten Ideen, in Tiefurt Kindertheater zu veranstalten, wurden schon 1999/2000 geboren. Dafür gab es gleich mehrere Anstöße. Das ehemalige Großherzogliche Kammergut wurde damals durch den Umbau in eine Seniorenwohnanlage und Begegnungszentrum vor dem endgültigen Verfall gerettet, wobei auch ein Haus für einen Kindergarten entstand. In der historischen Mühle - noch auf der Baustelle der auch dort entstehenden Seniorenwohnungen – wurde der WIR-Verein gegründet. Sein Ziel: Ein anre­gendes Umfeld für die neuen Bewohner und das Dorf zu schaffen oder zu fördern. Es war ein Glücksfall, dass die Puppenspielerin Hiltrud Vorberg-Beck zum Freundeskreis der Erbauer gehörte. So wurde sie Gründungsmitglied des WIR-Vereins und wohnt heute dauerhaft in Tiefurt. Nach einigen Jahren, in denen sie nur gelegentlich zum Puppenspiel nach Tiefurt kam, wurde ihr Spiel Bestandteil des ab 2006 jährlich angebotenen, von Michael Bokemeyer initiierten und über Jahre hinweg verantworteten Som­mer­theaters. Durch ihre Verbindungen in die Puppenspieler-Gemeinde kamen nach und nach immer mehr Theater hinzu und damit eine breitere Palette von Märchen, Darstellungsformen und Darstel­lungstechniken.

Einhundertachtundzwanzig Mal hieß es in den vergangenen zehn Jahren (2008 bis 2017): Es gibt Kindertheater in Tiefurt. In den ersten Jahren wurde nur an den Sonntagen während des Sommertheaters gespielt. Seit 2014 gibt es das Tiefurter Kindertheater auch in den übrigen Monaten, jeweils am zweiten Sonntag. Da die Puppenspieler-Szene in Mitteldeutschland stark vertreten ist, hatten es die meisten kleinen Theater, die hier mit insgesamt 63 verschiedenen Stücken ihr kleines Publikum, die Eltern und Großeltern erfreuten, meist nicht weit. Hiltrud Vorberg-Beck lebt in Tiefurt, Christiane Weidringer in Erfurt. Detlef Heinichen reiste von Dresden an. Zusammen genommen bestritten sie mehr als ein Drittel der Aufführungen. Manche Stücke, vor allem die weit bekannten Grimm‘schen Märchen, konnte man im Lauf der Jahre gleich in verschiedenen Inszenierungen erleben.

 Das Programm der Saison 2018/19


Ein kleiner Rückblick (Fotos: Alfred Behnert, Tiefurt)

 


Hiltrud Vorberg-Beck war viele Jahre in sozialpädagogischen Einrichtungen tätig, unter anderem als Lehrerin für Spiel und Musik in der Sozialpädagogen-Ausbildung, bevor sie 1984 mit einem Studium am Institut für Puppenspiel in Bochum ihre zweite Karriere als Puppenspielerin begann. Nach wenigen Jahren im Figurentheater „Lille Kartofler“ von Matthias Kuchla machte sie sich mit dem Figurentheater petit bec selbständig. Sie spielt mit lebensgroßen Textilfiguren, die sie alle selbst geschaffen hat, vor allem Märchen der Gebrüder Grimm. Sie war und ist viel unterwegs. In den Anfangsjahren spielte sie im Auftrag des Goethe-Institutes nicht nur im europäischen Ausland, sondern sogar in verschiedenen asiatischen Ländern.